• Dr. Hermann Munzel

Outback


Am nächsten Morgen trennt sich eine Gruppe mit 6 Motorrädern und Lisa als Sozia von der Hauptgruppe, deren Führung Kalle übernimmt, Colin mit dem Begleitfahrzeug immer dabei.

Wir anderen starten unsere Outback - Tour Richtung Brocken Hill. Eine unglaubliche Weite tut sich auf, wir sehen Emus und Kangoroos, leider auch tote am Rande der Straße. Die Road - Trains, z.T. bis zu 50 m lange und 100 t schwere, riesige LKWs halten nachts nicht – übrigens auch nicht bei anderen Fahrzeugen!

Broken Hill eine „Digging Town“, einst Opale und Edelmetalle, früher und heute ausschließlich Erze unterschiedlichster Art. Warm ist es, schon wieder Ulyssees, gegenüber ein Haus mit „Members only“, schließlich Weiterfahrt. In Wilcannia treffen wir Colins zweiten Sohn Vaughan. Mit seinem Four-wheel-drive wird er in seiner freundlichen und humorvollen Art uns durch das Outback begleiten. Noch 100 Kilometer bis White Cliffs, davon 40 Kilometer erste Eindrücke einer „Gravel- Road“, Schotterstrecke.

Der einzige stabilisierende Faktor bei der Fortbewegung ist der Geschwindigkeitsfaktor, alles andere zu unsicher. Fazit: Gas geben. Und es stellt sich heraus, dass die Triumph Bonville von Axel mit den BMW GS von uns anderen keine Mühe hat mitzuhalten oder überhaupt die Strecke zu bewältigen. Abends werden wir aufs allerherzlichste von Joanne erwartet, Besitzerin und gute Seele des Unter-Tage-Hotels „PJ`s Underground“. In einen ehemaligen Stollen ist ein Hotel hinein gebaut worden, einzelne Zimmer, der Gemeinschaftsraum, die Küche. Von einem Schlafzimmer aus führt die abgeschlossene Tür in den dahinter liegenden Stollen.

Dieser ganze Ort ist von Stollen und Schächten durchzogen, vom Flugzeug sieht das aus wie Löcher, die dicht an dicht von vielen Sandwürmern gebohrt worden wären, um jede Öffnung liegt der Abraum drum herum. Dazwischen gibt es urbanisierte Struktur, 200 Einwohner leben in Häusern und Hütten, aber auch eine moderne Solaranlage zur Stromgewinnung oder drei große Wasserbecken zum Sammeln und wieder aufbereiten von gebrauchtem Wasser entdecken wir. Der Pilot unseres am nächsten Morgen erlebten Rundfluges gibt unseren Unkostenbeitrag an die „Royal Flying Doctors“ weiter. Hier im Outback weiß man schließlich um die Notwendigkeit von Flugzeugen und dieser Kollegen.

Wir entscheiden uns zur Rückfahrt nach Brocken Hill komplett durchs Outback, 260 Kilometer Schotterstraße warten auf uns, eine großartige Strecke, sicherlich eines der Highlights der ganzen Reise, mit bleibenden Eindrücken. Bei lautem Motorengeräusch, Windgeräuschen unterm Helm und dem Klackern kleiner Steine höre ich plötzlich rechts neben mir Geräusche wie von großen Flügelschwingen. Ich schaue nach rechts und sehe drei jeweils über 1 m große, neben der Straße startende riesige Adler aufsteigen, weißer Kopf, Halsfedern und im übrigen braun-rostbraun gefärbtes Federkleid. Mein Herz klopft, ich bin innerlich auf die Größe eines Sandkorns zusammengeschrumpft und überwältigt von Großartigkeit und Komplexität der Natur. Auch ich bin nur ein kleines Menschenwesen, esse, trinke, schlafe, was ist eigentlich wichtig, diese Power ist einfach beeindruckend.

Der zweite große Eindruck ist ein ganz anderer: wegen großer Staubentwicklung und unter zu großer Dichte zum Vordermann stürzt Karl mit seiner GS in einem Sandloch! Das schmerzte fürchterlich, wir waren in großer Sorge, Vaughan fährt ein Stück voraus, er hat den Notarztkoffer. Und als wir ihn zurückholen, geht das Satelliten-Telefon nicht, kein Empfang. Dennoch lässt sich alles regeln, 2 ½ Stunden später sind wir in Broken Hill, im Krankenhaus wird die schon erwähnte Oberarmfraktur festgestellt und im übrigen dann doch nicht operativ versorgt. Konservative Heilung, eine Woche lang eine Schlinge, und am Ende der Reise stemmt Karl schon wieder volle Cola-Flaschen. Unsere Wirtin, die gebürtige Holländerin Netti, stellt uns ihr Auto zur Verfügung, so dass wir zusammen mit Vaughans Toyota gemeinsam zum Sonnenuntergang fahren können.

Diese Goldgräberstadt Broken Hill zeigt sich von einer unglaublich romantischen Seite, auch wenn einige andere Touristen sich auf diesem Hügel versammeln, es stört uns nicht. Am nächsten Morgen starten wir unsere Etappe nach Adelaide, wo wir die Hauptgruppe wiedertreffen wollen. Ein langer Ritt von 680 Kilometern liegt vor uns, wer Schönheit will, muss leiden. Wir leiten das ganze ein mit einem Besuch bei den „Royal Flying Doctors“, keiner da vom „Operation-Team“. Dennoch gibt es viel zu sehen, die Dame im Empfang zeigt uns Kollegen aus Germany mehr als üblich, wir besteigen auch die Flugzeuge. Ich lasse drei Patches da vom „Förderverein Rettungsmotorrad e.V.“ und eine Visitenkarte, gespannt auf mögliche Reaktionen.

Die Fahrt Richtung Adelaide ist zunächst ausgesprochen langweilig. Geraden von 12 bis 20 Kilometer Länge, das Outback mögen wir schon bald nicht mehr sehen. Dann Szenenwechsel: Täler, Weiten mit abgemähten Kornfeldern, Schafe, manchmal schwarzbunte Kühe. Die Stimmung steigt, wir fahren schon mal die eine oder andere Kurve, Büsche, Bäume, wirkt wie Appennin, Toscana, doch auch alles ein wenig anders.

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