Fähre nach Flores

Gutgelaunt satteln wir morgens unsere Tiger und machen uns auf in Richtung Sape, dem Fährhafen nach Flores. Die Straße führt durch wildes Bergland, vorbei an riesigen Salzgärten zur alten Sultansstadt Bima. Der innerstädtische Verkehr ist enorm, hier scheint das Leben im ansonsten ländlich geprägten Osten der Insel wirklich zu pulsieren. Wir nehmen uns vor, auf der nächsten Reise einmal länger Station zu machen und fahren durch viele kleine Dörfer zur Küste nach Sape. Je näher wir zum Hafen kommen, desto mehr nimmt die Zahl der von den Einheimischen "Ben Hur" genannten Pferdedroschken zu.

Auf den letzten Kilometern liefern sich die Lenker dieser Wagen erbitterte Rennen. Alle übrigen Fahrzeuge, selbst Busse und Lastwagen fahren äußerst vorsichtig - wir schließen uns an. Im Hafen angekommen machen wir uns auf die Suche nach einer passenden Unterkunft. Fehlanzeige. Die wenigen Zimmer im Losmen sind schon belegt. Also wieder zurück nach Sape. Die Herberge, in der wir schliesslich Quartier beziehen, ist dunkel, stickig und wirklich nur ein Notbehelf. Wären wir nicht so müde, wäre an Schlaf in diesem Gemäuer gar nicht zu denken. Zumal von der nahegelegenen Moschee die Lautsprecher bis kurz vor Mitternacht Koran Suren übertragen. Irgendwann übermannt mich der Schlaf.

Um 4 Uhr morgens ist's dann wieder mal vorbei mit der Ruhe. Das Morgengebet wird übertragen, Pegel auf Anschlag, die Lautsprecher scheppern. Wir wissen schon, dass das Gebet erst beim Sonnenaufgang endet und beginnen im Schein der 15 Watt Lampe unsere Siebensachen zu packen. Kurz vor 6 gibts Frühstück, Banana Pancake und ein Glas Tee. Wenig später sind die Motorräder beladen und wir rollen Richtung Fährhafen. Die Schalter sind noch geschlossen, die Fähre dümpelt am Anleger vor sich hin. Nichts deutet auf eine Abfahrt um 8 Uhr hin. Wir warten. Kurz vor 8 können wir Fahrkarten erwerben und aufs Schiff fahren. Sonderlich vertrauenserweckend sieht dieser schwimmende Eisenhaufen nicht aus. Knapp 10 Stunden wird er benötigen, um den Hafen Labuhan Bajo auf Flores zu erreichen. Zu unserem Glück scheint die Sonne, es ist windstill und die See ist platt wie ein Spiegel. Leider rührt sich die Fähre nicht vom Fleck. Erst gegen 9:30 Uhr springt der Schiffsdiesel an, gemächlich legt die Fähre ab und gleitet aus dem Hafen.

Die Überfahrt zerrt an den Nerven, die Plastikstühle sind alles andere als bequem. Ein paar Sitze weiter testet ein älterer Indonesier die Klingeltöne seines Handys ... er hat einige zu bieten. Nach etwa einer halben Stunde gebe ich auf und besuche mein Mopped auf dem Fahrzeugdeck. Lastwagenfahrer haben es sich bequem gemacht, auf den Planen, die ihre Ladung abdecken. Während draussen die kleineren Inseln des Komodo Nationalparks in Sicht kommen, versuchen Besatzungsmitglieder mit langen Schleppleinen ihr Mittagessen zu fangen. Innerhalb weniger Stunden sammelt sich ein beträchtlicher Haufen an gefangenem Tintenfisch auf dem Deck, sorgfältig auf einer Zeitung zum Trocknen ausgebreitet. Der Dieselmotor der Fähre stampft, ich suche mir einen Platz auf der Treppe zu den Fahrgasträumen und halte das Gesicht in den Fahrtwind. Nach einigen Minuten nicke ich ein ... Kurz vor 16 Uhr kommt Flores in Sicht. Dicke Wolken hängen über dem Fährhafen Labuan Bajo, die bevorstehende Regenzeit kündigt sich mehr als deutlich an. Vereinzelt zucken Blitze, wir erahnen die heftigen Regenfälle, die über den Bergen niederprasseln. Die Fahrgäste beginnen, ihr Gepäck zusammenzusammeln und drängen sich zur Treppe. Wayan Joker und ich ziehen es vor, noch eine Weile in dem klimatisierten Aufenthaltsraum der sogenannten "VIP-Class" sitzenzubleiben. Die Aircondition ist ein Witz, der Raum nur unwesentlich kühler als die nicht klimatisierten Räume der 3. Klasse. Aber die Sitze sind gepolstert, ein wenig Luxus auf der spartanischen Einrichtung der alten Fähre.

Gegen 17 Uhr ist der Fähranleger von Labuan Bajo erreicht. Wir verlassen über improvisierte Seilrampen die Fähre und fahren auf der Küstenstrasse durch die Hafenstadt. Geschäfte, Restaurants und Touristeninfos säumen den Strassenrand. Unser Hotel liegt auf einem Hügel mit spektakulärer Aussicht auf die Bucht. Beim Abschnallen unserer Gepäcktaschen merke ich, wie erschöpft ich bin. Eine heisse Dusche würde jetzt gut tun. An diesem Abend werde ich nicht mehr alt. Schon kurz nach der (lauwarmen) Dusche und einem eiskalten Bintang gebe ich auf und roll mich unter der dünnen Überdecke ein. Der nächste Tag wird aufregend, die Nachfahren der Drachen warten.

(Fortsetzung folgt ... Komodo - Drachen und Meer)

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